26. Clausthal-Zellerfeld Frankenscharrnhütte

Interaktiv
Clausthal-Zellerfeld Frankenscharrnhütte, Wilhelm Ripe, 1855, kolorierte Lithographie, aus den Sammlungen der Schloß Wernigerode GmbH, Sammlung Bürger

Hier ist nichts mehr so, wie es war und doch ist es einer der faszinierendsten Malerblicke mit viel Stoff zum Nachdenken. Unser Standpunkt ist nicht der des Malers, sondern höher und außerhalb des rechten Bildrands. Hier auf der Kuppe der Pochsandhalde am Hüttenkopf befindet sich eine Sitzgruppe des Geopark-Naturerlebnisweges und eine Tafel, die uns diesen Ort erklärt. Eigentlicher Standort von Wilhelm Ripe war unten an der B 242 etwa die heutige Bushaltestelle „Frankenscharrnhütte“. Gar nichts ist mehr dort, außer dem Zusammenfluss von Innerste und Zellbach, vielleicht einem alten Stollenmundloch oder etwas versteckt der Verladerampe des aber später errichteten Hüttenbahnhofs.

Dabei war die Frankenscharrn einmal die größte Hütte im ganzen Harz, verarbeitete die Silber- und Bleierze aus den berühmten Gruben um Clausthal und Andreasberg und dies vom Spätmittelalter bis 1967. Goethe war hier schon auf seiner ersten Harzreise 1777, als die Hütte gerade einen neuen Hochofen erhalten hatte. Wer in diesem Qualm arbeitete, wo es keinen Baum weit und breit gab, der wurde nicht alt, litt an chronischer Bleivergiftung „als würden die Eingeweide von der Hüttenkatze zerrissen“. 1822 nennt Villefosse hier zehn Öfen zum Schmelzen des Bleis und Silbers, 153 Arbeiter, 14 Wasserräder und einen Bedarf von 110.400 Maaß Holzkohle. Den Vordergrund bilden auf Ripes Bild deshalb naturgemäß die Anlieferung der Bedarfe an Erz und Holz sowie der Abtransport von Schlacke.

Über den Künstler
Nur ein einziger Maler, Wilhelm Ripe (1818-1885), hat sich wirklich von ganzem Herzen für den Bergbau im Harz interessiert. Er stammte aus Hahnenklee, lebte später in Clausthal und Goslar als Lehrer. Mit seiner Kunst blieb er so arm wie die einfachen Bergleute um ihn. Vielleicht hat er deshalb so aufmerksam hingesehen.

Wandertipp
Der Naturerlebnispfad Clausthal-Zellerfeld macht eine Runde um den Hüttenkopf (5 Kilometer, 1 Stunde, Einstieg am besten am Pferdehof Handermann in der Marie-Hedwig-Straße). Auf der Ostseite des Hüttenkopfes wird auch der Standort des Zeichners Ludwig Rohbock berührt, der uns das beschauliche Clausthal wiedergibt. Nur auf der Westseite des Hüttenkopfes stehen wir auf Pochsandhalden und schauen dorthin, wo jahrhundertelang im Tal die Frankenscharrnhütte rauchte.

Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.

Gut zu wissen

Autor:in

Harzer Tourismusverband e.V.
Marktstraße 45
D-38640 Goslar

Organisation

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