Das Bodetal bei Thale hat einen für ein Mittelgebirge deutschlandweit einmaligen alpinen Charakter. Unser Standpunkt an der Jungfernbrücke ist dessen touristischer Mittel- und Kreuzungspunkt. Das Bodetal war damals eine Sackgasse. Man konnte noch ein paar Schritte zum Bodekessel laufen, aber sonst ging es nur zurück oder hinauf: Zur Roßtrappe links der Bode, oder auf dem anderen Ufer zum Tanzplatz. Die Gegend hieß Hirschgrund.
Dieser zentrale Punkt im Bodetal hat sich verändert. Längst verläuft die steinerne Jungfernbrücke neben dem Felsen, auf welchem der hölzerne Steg auflag. Ein Fahrweg statt eines Pfades führt hierher. Wohl um 1819, als hier ein erster Ausschank eröffnete, entstand auch die erste Brücke. Aus dem Ausschank wurde ab 1834 ein Wohnhaus mit Konditorei. Bis 1855 war hier die einzige Stelle im Bodetal, an welcher Besucher die Bode trockenen Fußes überqueren konnten. Erst 1875 wurde das wohlklingende „Königsruh“ erfunden, 40 Jahre nach dem Besuch des preußischen Kronprinzen, als der noch gar nicht König war. Kronprinzruh wäre aber nicht so gutes Marketing gewesen.
Der Vergleich mit dem Gemälde zeigt, wie viele Felsspitzen es im Bodetal vor 100 Jahren noch gab, die inzwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Besucher geopfert wurden. Wieviel Wildnis hier noch vor 1800 gewesen sein muss, kann man aus alten Reiseführern erfahren. Das weckt Mitgefühl und fordert zu besonderer Achtsamkeit an diesem besonderen Ort auf.
Über den Künstler
Carl Friedrich Lessing (1808-1880) hat sich für sein Gemälde am Bode-Ufer niedergelassen, die Konditorei im Rücken. Das Gemälde geht wohl auf seinen ersten Besuch im Bodetal 1836 zurück. Die tosende Bode war in jenem Sommer nur ein Rinnsal, aber eindrucksvoll sind die Felsspitzen und die Granitwände des Tales. Lessing war damals ein junger aufstrebender Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er war ein leidenschaftlicher Jäger und als solcher sah er übrigens auch auf die Natur, besondere Momente zu erjagen. Bis ins hohe Alter reiste er immer wieder in den Harz – selbst von seinem späteren Tätigkeitsfeld an der Kunstakademie in Karlsruhe aus, wo er später Professor war. Denn der Harz war ihm ein deutsches Gebirge. Deutsche Geschichte und Landschaft interessierten ihn. Von Antike, Alpen und Italiensehnsucht wollte er nichts wissen. Gerade diese strikte Wendung zum Nationalen und die Verbindung von Geschichte und Landschaft machte seinen Erfolg und seine damalige hohe Popularität aus. Anders als seine sonstigen theatralisch gesteigerten Schöpfungen ist dieses Gemälde ohne Staffage, vielleicht ein Zeichen für ein frühes Werk? Besonders spannend ist es, dass wir ein 1836 datiertes Gemälde seines Schülers Adolf Hoeninghaus vom selben Standort kennen und so vergleichen können.
Wandertipp
Das Bodetal bei Thale war jahrhundertelang eine Sackgasse. Nur die Mutigsten wagten sich bis an den Bodekessel. Wer von hier zum Brocken wollte, der kam unten nicht weiter, sondern musste hoch und dann nach Wendefurth und von dort an der Bode entlang durch Rübeland und Schierke. Inzwischen gibt es durchgehende Wandermöglichkeiten. Aber die Natur hat Vorrang, seit 1937 ist das Bodetal Naturschutzgebiet. Wir bleiben auf den Wegen. Die nördliche Route des Harzer-Hexen-Stieges beispielsweise führt bis auf den Brocken (53 Kilometer, mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten).
Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.
Autor:in
Harzer Tourismusverband e.V.
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