Diese beiden Klippen fesselten früh, zum einen wegen ihrer markanten Zweitürmigkeit, dann auch wegen ihrer Höhe von fast 30 Metern. Die große Schnarcherklippe kann man heute besteigen. Goethe und der Zeichner Georg Melchior Kraus zeichneten am 5. September 1784 die kleine Schnarcherklippe. Kraus zeichnete die Wollsackverwitterung des Granits sehr sorgfältig. Dort wo mehr Wind und Regen einwirkten, ist auch die Verwitterung stärker. Goethe untersuchte währenddessen das Gestein der großen Klippe und stellte fest, dass der Granit die Magnetnadel seines Kompasses ablenkte und notierte dies erstaunt in sein geognostisches Tagebuch. Wo die Abweichung am stärksten war, brachte er kleine Zeichen im Fels an.
Ob die kleine Schnarcherklippe an diesem Tag tatsächlich markante Schnarchertöne hervorbrachte, wissen wir nicht. Dazu muss kräftiger Wind aus südöstlicher Richtung wehen. Aber im Faust dichtete Goethe seine Erinnerung an den Besuch, denn hier zwischen Schierke und Elend siedelte er seine Walpurgisszene an: „Und die Klippen, die sich bücken, / und die langen Felsennasen, / wie sie schnarchen, wie sie blasen“.
Über den Künstler
Den weltgewandten Georg Melchior Kraus (1737-1806) mit Schulung in Kassel und Paris kannte der junge Goethe schon aus seiner Vaterstadt Frankfurt am Main. Er sei der angenehmste Gesellschafter, meinte er von Kraus. Also ein idealer Künstler für Weimar, wohin ihn jedoch nicht Goethe, sondern Friedrich Justin Bertuch holte. Bertuch war in Weimar Verleger und Geschäftsmann, Kraus der Illustrator und genaue Beobachter. Beide bildeten ein starkes Team und prägten mit ihrem „Journal des Luxus und der Moden“ und ihrem „Bilderbuch für die Jugend“ in den Jahrzehnten vor 1800 den Geschmack einer ganzen Generation. Beide schlugen dem jungen Herzog Carl August 1776 eine „Freie Zeichenschule“ in Weimar vor, die kostenlos für jedermann sein und die Bildung von Handwerkern heben sollte. Kraus war bis zum Tode der Direktor, Goethe war als Oberaufsicht, Lehrer, aber auch Zeichenschüler mit dabei. Auch dies ein erfolgreiches Unternehmen.
Goethe war klar, dass nur Georg Melchior Kraus seine Wünsche für bildhafte Verdeutlichung seiner geologischen Spekulationen erfüllen konnte. Die Harzreise vom 8. August bis zum 14. September machten beide gemeinsam, wobei Goethe zeitweise Pflichten am Hof erfüllen musste und Kraus im Harz zurückließ.
Wandertipp
Eine gute halbe Stunde dauert die Wanderung von Schierke zu den Schnarcherklippen. Die Felsen liegen direkt am Harzer-Hexen-Stieg. In der Nähe der Klippen ist auch eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel. Von der großen Schnarcherklippe hat man einen guten Blick hinüber zu Wurmberg und Brocken.
Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.
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Harzer Tourismusverband e.V.
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