Wir blicken vom grazilen Pavillon am Hohen Kleef auf Rübeland hinab. Unten fließt die Bode. Dort, direkt an der Straße, liegt auch der flache weiße Bau mit dem Eingang der Baumannshöhle. Unser vergleichender Malerblick aus dem berühmten Verlag von Matthäus Merian ist über 350 Jahre alt und wir müssen uns erst ein wenig orientieren. Haben Sie auf der Ansicht den alten Eingang zur Baumannshöhle entdeckt, ein dunkles Loch an einem weitgehend baumlosen Hang, etwa 150 Meter Luftlinie über dem heutigen Eingang? Heute liegt dieser alte Eingang verschlossen unter Bäumen und Hecken am Steilhang des Schornsteinfegerberges.
Die Baumannshöhle war neben dem Brocken die bedeutendste Sehenswürdigkeit des Harzes. Man konnte nur kriechend hineingelangen und es waren fünf Räume zu besichtigen. 1788 wurde die heute verschlossene Bielsteinhöhle eröffnet, 1866 bei Straßenbauarbeiten die Hermannshöhle entdeckt. Hier fanden sich mehr schöne Tropfsteine, die in der älteren Höhle schon beschädigt oder gestohlen waren. Die Baumannshöhle verlor an Attraktivität. Verzweifelt grub man dort und fand weitere Hohlräume, blieb so bei den Besuchern im Gespräch und investierte in Treppen, Geländer sowie elektrisches Licht. 1929 wurde der 74 m lange Eingangsstollen fertiggestellt. Damit hatte nun auch die Baumannshöhle einen Zugang direkt von der Straße. An die 200.000 Menschen besuchen jährlich die Rübeländer Höhlen.
Über den Künstler
Der braunschweigische Hofmaler Conrad Buno (1613-1671) hat drei Ansichten der Baumannshöhle sowie 200 weitere Darstellungen für die Braunschweigische Topgraphie von 1564 gezeichnet. In Frankfurt/Main, im Verlag von Matthäus Merian, wurden die Blätter dann gestochen und erschienen mit einem gelehrten Text 1654 als dickes Buch. Der Braunschweig-Band ist der beste aller 16 Deutschland-Topographien, die damals einen sensationellen Erfolg hatten und Nachauflagen erlebten. Sie befriedigten das wachsende Bedürfnis nach geographischer Erkundung der Welt und nach Bildern und dies unmittelbar nach den Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges.
Weshalb der Braunschweig-Band der Beste ist? Weil der Landesherr und Bücherfreund Herzog August d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Anfrage des Verlegers ernst nahm. Er wusste um den wirtschaftlichen Mehrwert von Wissen und beauftragte seinen Hofmaler, authentische Bilder anzufertigen, erstattete ihm auch die Kosten für Kutsche und Logis. Drei Jahre war Buno unterwegs und scheute keine Mühe. In die Baumannshöhle ist er sicher selbst hineingekrochen.
Wandertipp
Voller Überraschungen und entspannender als das Gedränge im Tale ist eine Rundwanderung um Rübeland. Auf den Hohen Kleef (Stempelstelle der Harzer Wandernadel) führt ein Weg hinter dem Bahnhof Rübeland hinauf. Entlang des Bodetales leitet der Harzer-Hexen-Stieg, der bis Neuwerk genutzt werden kann. An der Bodebrücke verlassen Sie ihn nach links, und es geht hinauf über den Krockstein, Marmormühle, am Blauen See vorbei durch eine schöne Wiesenlandschaft zurück. Am Schornsteinfegerberg gibt es noch einen zweiten großartigen Ausblick auf Rübeland, diesmal oberhalb der Baumannshöhle. Der Rundwanderweg hat eine Länge acht Kilometern.
Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.
Autor:in
Harzer Tourismusverband e.V.
Marktstraße 45D-38640 GoslarOrganisation
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