Walkenried war im Harz die beliebteste Klosterruine der Maler, ein richtiges Malerparadies. Unser Standort ist im Inneren der ehemaligen Kirche mit Blick auf das große Westfenster. Die gewaltigen Ausmaße von 90 Metern Länge verströmen heute Leere, denn nur noch wenige Reste sind erhalten. Aber wieviel Steine mussten einst gewonnen, heran bewegt, behauen, geschliffen und vor allem aufeinandergesetzt werden!
Hier herrschte Waldeinsamkeit wie das für Zisterziensergründungen typisch ist. Jetzt liegt das Kloster in einem kleinen hübschen Ort. Die Klausur neben der Kirche, einst Wohnort der Mönche, ist ausgebaut zu einem interessanten Museum. Dort erfahren Sie mehr über diese größte Klosterkirche in Norddeutschland, von Zisterziensern zwischen 1206 und 1290 erbaut. Über Bau- und vor allem auch Bergbau-Know-how, das die Zisterzienser dank internationaler Ordensstruktur aus Frankreich mitbrachten, über landesherrliche Steuervorteile, Investitionen und Erfolg. Walkenried und der Oberharzer Bergbau sind inzwischen sogar UNESCO-Welterbe.
Vor über 200 Jahren aber, als dieses Gemälde entstand, war hier alles still und wüst. Künstler öffneten den Blick für die Bedeutung der alten Gemäuer. 1817 stellte man endlich die laufende Nutzung als Steinbruch ein. Carl Hasenpflug zeigt in seinem Gemälde zugleich Trauer und Freude, wie wir es sonst nur von schöner Musik kennen.
Über den Künstler
Der Maler Carl Hasenpflug (1802-1858) hatte sich zunächst auf Stadtansichten und auf Bilder von intakter gotischer Architektur spezialisiert. Er war Berliner, hatte aber der wachsenden Großstadt den Rücken gekehrt und sich 1830 in Halberstadt niedergelassen. Großartige Gemälde vom Halberstädter und Magdeburger Dom haben wir von ihm. Es ist schon merkwürdig, dass er nach einem Intermezzo als Landschaftsmaler Anfang der 1830er Jahre, jahrzehntelang nur noch Ruinen im Schnee malt. Caspar David Friedrichs Ruinen-Gemälde im Schnee zwanzig Jahre vorher waren unmodern, der Maler alt und nicht mehr gefragt. Da kommt mit Carl Hasenpflug einer, der dessen Sohn sein könnte, erfindet das Motiv der Ruine im Schnee neu und es trifft den Nerv der Zeit. Es gab Mitte der 1830er Jahre einige extrem kalte Winter. Machte dies solche Bilder so anziehend oder gibt es weitere Gründe?
Über 50 Darstellungen ganz verschiedener Klosterruinen im Winter, zwischen 1840 und 1870 von Carl Hasenpflug und anderen gemalt, kann man zählen. Sie fallen in eine Zeit, in der Industrialisierung, Armut und missglückte Demokratie-Versuche aufeinanderprallen. Da wurde so ein Bild zum Sinnbild für eine als kaltherzig auf Neues und Fortschritt gerichtete Gegenwart, in der großartige gotische Bauten Ruinen werden, auch weil wirklicher Glaube sie nicht mehr belebt. Das Bild ist also ein sehnsuchtsvoller Rückblick auf die Vergangenheit, deshalb auch die Musik darin.
Wandertipp
Walkenried hat guten Anschluss an die Regionalbahn Göttingen-Nordhausen, das Kloster ist unbedingt einen Besuch wert. Vielleicht mit anschließendem Besuch des Museums, oder eine Rundwanderung an den Klosterteichen vorbei über den Höllstein (mit schönem Blick) zum Sachsenstein und zurück. (6 Kilometer)
Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.
Autor:in
Harzer Tourismusverband e.V.
Marktstraße 45D-38640 GoslarOrganisation
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