Dieser Malerblick liegt vor dem heutigen Stadtzugang in das Rosarium. Er führt in Zeiten zurück, da gab es das Rosarium noch nicht. Aber hier war Sangerhausens Spazier- und damit auch Malergegend mit Teichen. Bürger der Stadt mit Rosen-Leidenschaft gründeten vor mehr als 100 Jahren den Stadtpark, aus dem sich die heutige Hauptattraktion der Stadt, das Rosarium, entwickelte. Stadt und Rosarium gehören also zusammen.
Adrian Ludwig Richter war im Sommer 1836 hier. Das ab 1821 abgerissene Riestädter Tor hatte eine Lücke geschaffen, und die heutige Bergstraße war kahl und unbebaut. Das Bild zeigt von links nach rechts: den Turm des Alten Schlosses, dann die Jakobi-, davor die alte romanische Ulrichkirche. Im Hintergrund die Höhen des Kyffhäuser, bekrönt von den Türmen der Rothen- und Kyffhäuserburg – das bekannte Denkmal entstand erst viel später.
Das Bild ist eine Einladung zum Stadtrundgang. Alte und junge Rosenstöcke sind auch in der Stadt zu bewundern. Ein Tipp ist der Weg durch das Husarenpförtchen, hinauf zur südlichen Stadtmauer mit einem schönen Ausblick auf die Altstadt. Über das Flüsschen Gonna geht es nordwärts aus dem Stadtkern hinauf in den von hohen Bäumen beschatteten Spengler-Park mit dem Spengler-Museum, das sich übrigens in einem geheimen Punkt mit dem berühmten Berliner Naturkundemuseum vergleichen kann! Hier können auch die Originale unserer beiden Ansichten betrachtet werden.
Über den Künstler
Adrian Ludwig Richter (1803-1884) wollte nicht so wie sein Vater und Kupferstecher-Lehrer einfach mechanisch abzeichnen, radieren und kolorieren. Er wollte Gefühle ausdrücken. In Dresden an der Akademie begann er deshalb mit Landschaftsmalerei, ging mit einem Stipendium des Verlegers Arnold aus Dresden nach Italien, hatte auch Erfolge. Aber seit acht Jahren saß er in Meißen als Lehrer an der Porzellanmanufaktur fest, zum Malen war wenig Zeit und es brachte auch kein Geld. Drei Kinder hatte er, die geliebte Frau war krank, das Geld reichte nicht. Da kam der Wendepunkt. Er erhielt einen Auftrag, der ihn im Sommer 1836 auch in den Harz führte. In seinen Lebenserinnerungen hat er beschrieben, wie es dazu kam.
Seitdem zeichnete Richter vor allem Vorlagen für Druckgraphik und die machte ihn berühmt. Weil er die armen Leute beobachtete und in seine Bilder Trost hineinmalte. Spätromantischen Idyllen, die den Nerv trafen. Eine solche wird auch im Vordergrund des Sangerhausen-Blattes erzählt: Der reiche Mann neben dem Wagen kommt aus christlicher Nächstenliebe, die arme Sangerhausener Witwe mit ihrer Tochter in bessere Verhältnisse nach Osterode zu holen. Verständlich, dass der Künstler zugunsten einer schönen Bild-Einheit die Topographie künstlerisch etwas frei handhabt.
Wandertipp
Sangerhausens Umgebung ist malerischer als bekannt. Man kann zwischen fünf Rundwanderwegen wählen. Überallhin begleitet der Kegel der Hohen Linde im Norden von Sangerhausen den Blick. Der Berg wuchs seit 1955 als Abraumhalde des inzwischen eingestellten Kupferbergbaus und ist so Zeugnis der langen Industriegeschichte. Dieser Kegel braucht noch Jahrzehnte, bis es auf ihm wächst, er hat aber das Zeug, einmal der berühmteste Aussichtspunkt der Stadt zu werden! Wer mit der Bahn anreist, den empfängt hell, modern und bestens saniert das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1963, der Blütezeit des Kupferbergbaus.
Weitere Informationen zum Malerblick gibt es hier.
Autor:in
Harzer Tourismusverband e.V.
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